TP2.4: Geschäftsmodelle Plattformanbieter

Teilprojektleitung
Prof. Dr. Helmut Krcmar
Bearbeiter
Andreas Hein


 
Ziel des Teilprojekts 2.4 ist die Entwicklung eines konfigurierbaren Geschäftsmodells für den nachhaltigen Betrieb von Mobilitätsplattformen. Die Plattform soll eine Zusammenarbeit verschiedener Partner, vom Plattformbetreiber über Industriekonzerne bis hin zum Startup ermöglichen. Die Ergebnisse werden anhand von drei Forschungsfragen erarbeitet:

1. Wie ist der Stand der Forschung zu Geschäftsmodellen für den Betrieb von Plattformen?
Der gegenwärtige Forschungsstand zu Plattformen setzt sich aus drei verschiedenen Schwerpunkten zusammen:
(1) Konzepte von Two-Sided Markets oder Multi-Sided Platforms, welche ökonomische Effekte wie Netzwerktheorie, Multi-Homing, Regulation und Preisstrategien untersuchen.
(2) Konzepte einer technischen oder Software-Plattform mit Fokus auf Standardisierung, Modularisierung und Value-Co-Creation.
(3) Plattform Governance Mechanismen und deren Wirkung auf das Plattformökosystem. Abbildung 1 zeigt eine Zusammenfassung der markttheoretischen und der technologischen Konzepte einer Plattform.
Digital Plattform
Abbildung 1: Konzept einer Digitalen Plattform.
Quelle: Eigene Darstellung nach Konzepten aus (1), (2) & (3)
 
Abbildung 2 ist das Ergebnis einer Literaturstudie und zeigt insgesamt elf unterschiedliche Bestandteile eines Plattform Geschäftsmodells. Value Proposition, Value Creation und das Revenue Model umfassen wertbasierte Bestandteile. Diese können nach innen oder außen gerichtet sein und beschreiben die Wertschaffung. Die nächsten fünf Bestandteile eines Plattform Geschäftsmodells umfassen den Aufbau, die Struktur, die Kontrolle und die Architektur der Plattform. Die letzten drei Bestandteile unterteilen sich in die Akquise, sowie den Umgang zwischen Wettbewerbern und Kunden.
Digital Plattform
Abbildung 2: Bestandteile eines Plattform-Geschäftsmodell
Quelle: (Schweiger et al. 2016)
 
2. Was sind Bestandteile eines konfigurierbaren Geschäftsmodells für die Mobilitätsplattform des TUM Living Lab Connected Mobility?

Digital Plattform
Abbildung 3: Konzept eines Mobility Services Ökosystems
Quelle: (Riasanow et al. 2017 – erscheint auf der ECIS 2017)
 
Das in Abbildung 3 gezeigte Mobility Services Ökosystem ist das Resultat einer quantitativen Erhebung von über 650 Unternehmen aus der Automobilbranche. Unter Verwendung der e3 Forschungsmethode zur Entwicklung von Geschäftsmodellen wurde ein erstes Konzept zur Wertschöpfung innerhalb eines solchen Ökosystems vorgestellt. Ferner konnten verschiedene Bestandteile (siehe Tabelle 1) des Geschäftsmodells identifiziert werden. Insgesamt sind die Ergebnisse ein erster Schritt in Richtung eines konfigurierbaren Geschäftsmodells für Mobilitätsplattformen.

Digital Plattform
Tabelle 1: Bestandteile eines Mobility Services Ökosystems


Ein weiterer Bestandteil des konfigurierbaren Geschäftsmodells sind die zugrundeliegenden Services. Hierfür kooperiert die Technische Universität derzeit mit einem Praxispartner, um mittels Design Science ein Artefakt zu entwickeln, welches essenzielle Mobilitätsservices im Kontext von Plattformen beschreibt. Die Ergebnisse liefern Einsichten über die Funktionsweise von Mobilitätsplattformen und sind die Grundlage für weitere Forschung im Bereich steuernder Governance Mechanismen.


3. Wie kann die Verstetigung des Geschäftsmodells sichergestellt werden?

Die letzte Forschungsfrage behandelt die Verstetigung von Plattform Gechäftsmodellen. Hierbei wird insbesondere der Einfluss von raschen Marktentwicklungen durch ein skalierbares Ökosystem berücksichtigt. Dabei werden kontextuelle Einflussfaktoren untersucht, um darauf aufbauend adaptive Services im Geschäftsmodell zu integrieren.

Literatur

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