AP4: Use Cases

Für den Erfolg einer neu etablierten Service-Plattform ist es essentiell, dass die Plattform von Beginn an für die intendierten Nutzer attraktive und vom Wettbewerb differenzierende Anwendungen (Use Cases der Services) zur Verfügung stellt. So entwickelte Apple zentrale Anwendungen für das erste iPhone selbst (MP3 Player, E-Mail, Browser, Kalender, PhotoAnwendung). Für eine Mobilitätsplattform können einerseits Use Cases über Partnerverträge oder OEM-Verträge risikoarm realisiert werden (um ggf. später durch eigene Lösungen ersetzt zu werden, vgl. Apple Maps und Google Maps auf dem iPhone), anderseits ist es für den Plattformentwickler erstrebenswert, innovative neue Use Cases zunächst exklusiv anbieten zu können. Hier eröffnen sich besondere Chancen durch die Zusammenarbeit mit Forschungsabteilungen, Universitäten und Startups.

Während der öffentliche Raum bereits weitgehend digital kartographiert ist, bieten sich im Bereich der Indoor-Karten (Museen, Einkaufszentren, Untergrundstationen und große Personenverkehrsknoten, Flughäfen, Parkhäuser, Bürogebäude, Verwaltungsgebäude) noch eine konzeptuell naheliegende Erweiterung des Konzepts der Routenplanung und Wegführung, die jedoch bisher aufgrund juristischer und technischer Herausforderungen (Schwierigkeit der Ortsbestimmung, Standardisierung von 3D-Kartenformaten) nur ansatzweise umgesetzt ist.

In Abhängigkeit vom Geschäftsmodell des Plattformbetreibers (Werbung, kostenpflichtige Dienste, öffentlich subventionierte Dienste, Daten-Tauschgeschäfte) sind auch Use Cases zu untersuchen, die Verkehrsteilnehmer gezielt beeinflussen, um übergeordnete Ziele zu erreichen. Aus städtischer oder kommunaler Sicht sind zum Beispiel ein umweltsensitives Verkehrsmanagement oder ein risikominimierendes Verkehrsmanagement bei Großereignissen oder Katastrophen wünschenswert.

Analog ist es denkbar, dass Unternehmen die Dienstreisen ihrer Mitarbeiter optimieren möchten, oder Tourismusverbände die Reiserouten ihrer Gäste. Gemeinsam mit juristischen und ethischen Fragen sind dabei auch diverse informatische Probleme (Transparenz der Ziele für den Nutzer, Anreizmodelle, Gestaltung der Benutzerschnittstellen) zu untersuchen.

Viele der Mobilitätsanwendungen besitzen einen kollaborativen („sozialen“) Aspekt: Die Benutzer sind nicht nur individuelle passive Dienstnutzer, sondern handeln stets in einem sozialen Kontext – zum Beispiel mit Freunden, Familienmitgliedern und Kollegen. In Zeiten des Internets dehnt sich der individuelle soziale Raum immer weiter aus, so dass Meinungen, Empfehlungen, Kritiken und das Verhalten Dritter (siehe z.B. Amazon, Apple App Store) hohen Einfluss auf das eigene Verhalten haben. Daher müssen entsprechende Elemente von Social Media-Anwendungen (Bewertungen, personalisierte Empfehlungen, Feedback-Kanäle, Q&AFunktionen, Nachbarschafts-Tipps) in möglichst einheitlicher und ggf. anwendungsübergreifender Form integriert werden.

TP4.1: Modelle & Werkzeuge für Indoor-Karten
TP4.2: Umwelt-sensitives Verkehrsmanagement
TP4.3: Verkehrsmanagement bei Großereignissen
TP4.4: Kollaborative und soziale Mobilitätsdienste